20Minuten: «De facto wäre die SRG tot»

Im Früh­ling stim­men wir über die No-Bil­lag-Ini­tia­tive ab. Co-Ini­tiant Sil­van Amberg und Geg­n­er Mar­tin Can­d­i­nas stellen sich Leser­fra­gen.


20Minuten: «De fac­to wäre die SRG tot»

  • Liebe Leser, wir begrüssen Sie ganz her­zlich bei uns in der Redak­tion. Wir disku­tieren heute über die No-Bil­lag-Ini­tia­tive. Befür­worter und Mit-Ini­tiant Sil­van Amberg und Geg­n­er Mar­tin Can­d­i­nas (CVP) kreuzen die Klin­gen. Schick­en Sie uns Ihre Fra­gen über das For­mu­lar unten!
  • 14:26

    Sil­van Amberg und Mar­tin Can­d­i­nas sind auf der Redak­tion eingetrof­fen. Noch ist der Ton zwis­chen den bei­den Kon­tra­hen­ten fre­undlich – die Fet­zen dürften aber noch fliegen!

  • 14:31

    Ist ein Ja zur Ini­tia­tive wirk­lich das Ende der SRG? Wo gibt es Spar­poten­zial? Ist der nationale Zusam­men­halt ohne die SRG gefährdet? Bere­its sind gegen 100 Leser-Fra­gen bei uns einge­gan­gen. Wir ver­suchen, möglichst viele zu stellen.

  • 14:36

    Geben sich kämpferisch: Ini­tiant Sil­van Amberg (l.) und Geg­n­er Mar­tin Can­d­i­nas (r.).

     
  • 14:38

    Jeden Moment gehts los. Sie kön­nen das Stre­it­ge­spräch bequem im Live-Stream oben ver­fol­gen – die wichtig­sten Argu­mente gibts im Tick­er unten zur Nach­lese.

  • 14:47

    Die erste Frage: SP-Nation­al­rat Cédric Wer­muth stellte vor eini­gen Tagen auf Twit­ter die Frage: Woher kommt der Hass auf die SRG

    Sil­van Amberg: Ja, den Hass gibt es sich­er, es ist aber eher für die Min­der­heit eine Moti­va­tion. Die Mehrheit will ein­fach die Zwangs­ge­bühren abschaf­fen.
    Mar­tin Can­d­i­nas: Ich teile diese Mei­n­ung. Die Mehrheit der Leute ist zufrieden mit dem Ange­bot der SRG.
  • 14:51

    Thomas Gal­lik­er: Wird die SRG zu 100% abgeschafft, wenn die No-Bil­lag angenom­men wird?

    Mar­tin Can­d­i­nas: Die SRG ist ein Vere­in, dieser wird weit­er beste­hen. Fakt ist aber: Wenn man von einem Unternehmen 90 Prozent weg­n­immt, kann es nicht mehr existieren. Ob klin­isch tot oder ganz tot, das macht für mich keinen Unter­schied!

    Sil­van Amberg: Wir sehen es nicht so, dass es eine Abschaf­fung bedeutet. Klar, die SRG in der heuti­gen Form wird es nicht mehr geben. Sie müssen sich ein­fach neu ori­en­tieren. Ein Gebühren­mod­ell wäre eine Möglichkeit. Das ver­bi­etet der Ini­tia­tiv­text nicht.

    Can­d­i­nas: Das ist Schön­fär­berei. Es bliebe ein Ange­bot in der Deutschschweiz zurück, im Raum Zürich. Das ist die Real­ität.

  • 14:56

    Patri­cia Dier­meier: Wenn es keine SRG mehr gibt — wo erhal­ten wir dann all die Infor­ma­tio­nen über die Schweiz­er Poli­tik, zu den Abstim­mungen, Wahlen, Hin­ter­gründe und Prog­nosen umfassend, unab­hängig (partei-neu­tral) und kom­pe­tent?

    Amberg: Sehr viele Leute kon­sum­ieren gar keine SRG – es gibt immer noch viele andere Medi­en, über die man sich informieren kann. Und: Es ist eine Sug­ges­tivfrage, die unter­stellt, dass die SRG abgeschafft wird. Poli­tis­che Infor­ma­tion wird kün­ftig durch pri­vate Medi­en oder auch die SRG geleis­tet.

    Can­d­i­nas: Vergessen wir nicht: Betrof­fen wären auch viele regionale TV-Sender, die eben­falls von Radio- und Fernse­hge­bühren abhängig sind.

    Amberg: Das ist eine sta­tis­che Betra­ch­tung. Ist die SRG klein­er, gibt es Raum für pri­vate Ini­tia­tiv­en.

    Can­d­i­nas: Wir wis­sen heute, welche Sendun­gen wie viel kosten. Der Markt Schweiz ist sehr klein und vier­sprachig.

  • 15:06

    Josef Rothen­fluh: Was wird aus dem Schweiz­er Film? Sind damit auch die Solothurn­er Film­tage gefährdet?

    Can­d­i­nas: Natür­lich ist er gefährdet, man find­et auch keine Spon­soren, wenn man das Fen­ster nicht hat. 

  • 15:08

    Hans Grüter: Herr Amberg, Sie stellen den Markt über alles. Schlag­worte alleine reichen mir aber nicht aus. Rech­nen Sie mir bitte vor, wie in der kleinen Schweiz mit 8 Mil­lio­nen Ein­wohn­ern und vier Sprachen ein qual­i­ta­tiv hochste­hen­des TV- und Radio-Ange­bot pro­duziert wer­den kann. Und nein: Bei ARD, ZDF oder ORF schauen gilt nicht!

    Amberg: Es ist unmoralisch Leute zu zwin­gen, etwas zu finanzieren, was man selb­st «läs­sig» find­et.

    Can­d­i­nas: Wir haben auch Steuern, bezahlen auch für die Schule oder die Feuer­wehr. Das ist beschlossen wor­den, weil es dem gesellschaftlichen Zusam­men­hang dient.

  • 15:09

    Ver­e­na Zehn­der: Wie soll ich die Bil­lag noch bezahlen? Ich habe eine AHV, muss alles sel­ber bezahlen. Ich habe keinen Part­ner. Meine Kosten: 965 Franken. Miete 480, KK, 250, Steuern 130, Strom 25, Haus­rat 80. Ich kann nicht mehr zum Coif­feur, in den Ferien war ich zulet­zt 1989. Ein Auto kann ich mir auch nicht leis­ten. Ich habe 45 Jahre gechrampft.

    Can­d­i­nas: Die Gebühren sinken ja schon. Heute bezahlen wir 451 Franken, mit dem Sys­temwech­sel gehen wir zurück auf 365. Hinzu kommt, dass Leute mit den Ergänzungsleis­tun­gen die Abgabe nicht mehr bezahlen müssen.

    Amberg: Ich ver­ste­he das Argu­ment der Abzocke. Weil die Gebühren per Zwang erhoben wer­den, ist das Kostenwach­s­tum auch unge­bremst. Das empfind­en Leute als Abzocke. Auch 365 Franken sind noch zu viel. Die Gebührensenkung ist tak­tisch geschick­te Augen­wis­cherei: In Zukun­ft bezahlen ein­fach die Unternehmen mehr.

    Can­d­i­nas: Es stimmt nicht, dass die Gebühr immer zugenom­men hat. Die SRG hat mehr Geld bekom­men wegen der Zuwan­derung. In Zukun­ft bekommt sie noch genau 1,2 Mil­liar­den und nicht mehr – es gibt also einen Kos­ten­deck­el.

  • 15:16

    Thomas Wicke: Unter Ser­vice pub­lic ver­ste­he ich das Informieren der Bevölkerung. Dafür dürften doch 300 Mil­lio­nen reichen, also 100 Franken pro Haushalt. Liege ich da so falsch?

    Can­d­i­nas: Wir hät­ten mehr Sendun­gen, die aus dem Aus­land kom­men. Man müsste auch stark zen­tral­isieren. Die SRG ist in allen Regio­nen tätig. Wir sind ein föder­al­is­tis­ches Land. Wollen wir föder­al in allen Lan­desre­gio­nen ein gutes Ange­bot sein, kostet das. Sparen kann man meines Eracht­ens nicht, aber wir soll­ten mehr ver­lan­gen fürs Geld.

    Amberg: Es gibt keinen Willen, zu sparen, geschweige denn ein Kosten­be­wusst­sein bei der SRG. Die Infor­ma­tion­ssendun­gen haben es am ein­fach­sten zu über­leben, die Eigen­pro­duk­tio­nen fol­gten danach, alles, was man auch ander­norts kon­sum­ieren kön­nte.

    Can­d­i­nas: Das ist eine böse Unter­stel­lung. Es gibt ja ein Kos­ten­dach, ein­fach keinen Kahlschlag.

  • 15:25

    Thomas Morat­ti: Warum kann sich die SRG nicht über Wer­bung finanzieren lassen?

    Can­d­i­nas: Das wäre kaum im Sinn der Kon­sumenten, wenn es ein­fach noch mehr Wer­bung gäbe. Auch ist die Nach­frage zu klein bei Sendun­gen mit kleinerem Pub­likum­sin­ter­esse.

    Amberg: Es gibt ja auch das Mod­ell, dass jene, die keine Wer­bung wollen, ein­fach eine Gebühr bezahlen. Wer ein knappes Bud­get hat, nimmt dann vielle­icht die Wer­bung in Kauf. Dank No Bil­lag wird endlich über vernün­ftige Finanzierungsmod­elle disku­tiert.

  • 15:28

    Peter Müller: Warum kann man die SRG nicht ein­fach aufteilen in einen kom­merziellen Teil und in einen kleineren öffentlichen rechtlichen Teil, um trans­par­enter zu machen, wofür genau die Zwangs­ge­bühren sind?

    Amberg: Es wäre sich­er ein möglich­er Kom­pro­miss, der unser­er Vorstel­lung näher käme.

    Can­d­i­nas: Es ist fast nichts kom­merziell bei der SRG, darum ist sie auch schwierig aufzuteilen. Selb­st der Sport ist ein Ver­lust­geschäft.

  • 15:31

    Stephanie Müller: Was bedeutet für Sie guter Jour­nal­is­mus? Und inwiefern würde eine Annahme der Ini­tia­tive diesen unter­stützen oder gefährden?

    Can­d­i­nas: Das ist für mich, wenn man Zeit hat für Recherchen, den Fak­ten wirk­lich auf den Grund gegan­gen ist. Schaut man die fortschre­i­t­ende Medi­enkonzen­tra­tion bei uns an, den grossen wirtschaftlichen Druck auf die Medi­en­branche, haben wir Inter­esse an ein­er starken SRG.

    Amberg: Für mich ist guter Jour­nal­is­mus fak­ten­basiert, aus­ge­wogen und auch staatskri­tisch. Der Vorteil der Ini­tia­tive ist, dass der Staat wegfällt. Die Poli­tik hat nichts mehr zu sagen, das ist gut für den Jour­nal­is­mus.

  • 15:35

    Julius Kon­rad: An die Geg­n­er und an die Befür­worter: Geben Sie mir kurz, präg­nant und unmissver­ständlich Ihr bestes Argu­ment, weshalb die Ini­tia­tive angenommen/abgelehnt wer­den sollte.

    Can­d­i­nas: Ein Nein zu No Bil­lag ist ein Ja zur Medi­en­vielfalt. Es ist ein Ja zur SRG und ein Ja zu einem föder­al­is­tis­chen Medi­en­land Schweiz, in dem alle vier Sprachre­gio­nen mit Infor­ma­tio­nen ver­sorgt wer­den. Das muss doch 365 Franken wert sein.

    Amberg: Nur mit einem Ja zu No Bil­lag wer­den die Zwangs­ge­bühren abgeschafft und wird die SRG zu einem Umdenken gezwun­gen.

  • 15:39

    Liebe Leserin­nen und Leser, das war das Schluss­wort. Vie­len Dank für Ihr Inter­esse. Wir bedanken uns auch bei Mar­tin Can­d­i­nas und Sil­van Amberg für die angeregte Debat­te!