Gastbeitrag Andreas Thiel: Die SRG ist eine öffentliche Propagandaanstalt in eigener Sache

Hal­lo Kol­le­gen,

wie ver­sprochen schicke ich Euch hier eine Episode, die ich mit dem SRF erlebt habe. Der E-Mail-Verkehr ist voll­ständig und wort­ge­treu wiedergegeben. Die Geschichte zeigt, mit welchen Meth­o­d­en bei der SRG poli­tisch motivierte Desin­for­ma­tion betrieben wird. Ihr dürft das gerne ver­wen­den. (Es han­delt sich um einen Auss­chnitt aus dem Buch „Intellekt mich“, ein­er lib­erale Abrech­nung mit den Linksin­tellek­tuellen, erschienen im Werd & Weber Ver­lag.)

Andreas Thiel


Die SRG ist eine öffentliche Propagandaanstalt in eigener Sache

Hohe Gebühren für die unter­ste Schublade

SRF-Mitar­beit­er miss­brauchen das Monopol, um sys­tem­a­tisch poli­tisch unlieb­same Mit­bürg­er zu ver­leum­den

Der detail­lierte Front­bericht eines lib­eralen, staatskri­tis­chen Kün­stlers:

von Andreas Thiel

Die Meth­ode ist ein­fach. Man sieht sämtlich­es Film­ma­te­r­i­al durch, welch­es von ein­er Per­son vorhan­den ist, die man dif­famieren möchte, kopiert sich alle unvorteil­haften Pas­sagen raus und ver­sieht diese mit her­ablassenden Kom­mentaren. Mit dieser Meth­ode hätte man selb­st Mut­ter There­sa auf den Scheit­er­haufen gebracht. Bei einem Com­e­dy-For­mat kann man diese Meth­ode vielle­icht noch tolerieren. Aber beim SRF wird diese Meth­ode auch bei News, Talk und Info­tain­ment ver­wen­det.

Will man nicht eine einzelne Per­son son­dern eine ganze Bevölkerungs­gruppe – z.B. Men­schen mit ein­er bes­timmten poli­tis­chen Hal­tung – verunglimpfen, zieht man mit der geschul­terten Kam­era von Tür zu Tür und über­rumpelt so oft Men­schen mit der gle­ichen Frage, bis man genü­gend unvorteil­hafte Antworten von Vertretern dieser Ziel­gruppe im Kas­ten hat. Diese Meth­ode ist beson­ders effizient, weil Men­schen, wenn sie über­raschend mit ein­er uner­warteten Frage kon­fron­tiert wer­den, sel­ten druck­reife Sätze von sich geben. Deshalb beste­hen auch Boule­vard­jour­nal­is­ten gerne darauf, Inter­views ohne Vorge­spräche zu führen. Sie hof­fen, ihre Gesprächspart­ner aufs Glat­teis führen zu kön­nen.

Diese redak­tionellen Inquisi­toren sor­gen dafür, dass die medi­alen Pranger nie leer­ste­hen und die Masse immer jeman­den zum Bespuck­en hat.

Ihre jour­nal­is­tis­chen Werkzeuge sind nicht kri­tis­che Betra­ch­tung und Klärung son­dern Beschimp­fung und Unter­stel­lung. Tat­sachen wer­den aus dem Zusam­men­hang geris­sen, und neue, falsche Zusam­men­hänge wer­den kon­stru­iert. Dem Zuschauer wer­den nicht scharfe Analy­sen gezeigt son­dern schmierige Col­la­gen.

Zwei Novizen dieses Denun­zi­a­tion­sor­dens waren so nett, mir ihre Meth­o­d­en per­sön­lich zu offen­baren, indem sie mich im Dienst des SRF öffentlich ver­leumde­ten, wobei sie ver­gassen, dass der­jenige, der im Pranger sitzt, auch aus dem Pranger rauss­chaut und ihnen aus näch­ster Nähe bei der Arbeit zuse­hen kann.

Es han­delt sich um das ungle­iche Paar Eduard Erne und Roger Schaw­in­s­ki. Schaw­in­skis Meth­o­d­en habe ich ja bere­its in sein­er Sendung offen­gelegt. Zudem wur­den über ihn schon mehrere Büch­er geschrieben, wenn auch nur von ihm sel­ber. Über die Qual­ität dieser Büch­er kann ich lei­der nichts sagen – ich habe sie nicht gele­sen. Weniger bekan­nt ist Eduard Erne. Während Schaw­in­s­ki noch das Rück­grat besitzt, den eige­nen Kopf in die Kam­era zu hal­ten und geführte Gespräche ungeschnit­ten zu senden, operiert Eduard Erne aus dem Hin­ter­grund. Er führt Inter­views, aus welchen er sich im Nach­hinein kom­plett her­auss­chnei­det. Dafür schnei­det er Bild­ma­te­r­i­al und Audiokom­mentare rein, die mit dem geführten Gespräch so viel zu tun haben wie ein Schleud­er­sitz mit ein­er Pin­guinkolonie.

SRF-Mitar­beit­er wie Erne beherrschen nicht die hohe Kun­st der Aufk­lärung son­dern die niedere Kun­st der Anschwärzung.

In der Schmud­d­elecke des Info­tain­ments
«Kul­tur­platz» klingt nach ser­iösem Jour­nal­is­mus. Anlässlich ein­er Sendung über Polit­i­cal Cor­rect­ness bat mich der SRF Redak­tor Eduard Erne per E-Mail um ein Inter­view:

12.01.2016
Hal­lo Herr Thiel,
Kul­tur­platz“ —  das Kul­tur­magazin des Schweiz­er Fernse­hens SRF — wid­met sich in der übernäch­sten Sendung dem The­ma „Polit­i­cal Cor­rect­ness“.
Dabei inter­essiert uns die Frage, wo die Gren­zen liegen, für Satirik­er, für Kolum­nis­ten – bei welch­er Pointe, bei welch­er For­mulieren hat man Bauch­weh, und schreibt sie trotz­dem …Das soll keine the­o­retis­che Auseinan­der­set­zung wer­den, son­dern möglichst konkret an Pointen, Gags oder For­mulierun­gen erzählt wer­den.
Hät­ten Sie Lust und Zeit für ein Inter­view zu diesem The­ma? (wie immer und lei­der möglichst bald … )
Viele Grüsse
Eduard Erne
Redak­tor
Kul­tur Aktuell
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

Nach mein­er Zusage kamen weit­ere Details zum geplanten Inter­view:

17.01.2016
Hal­lo Herr Thiel,
Am besten wäre es, wenn Sie am Mon­tag zu uns in den Leutschen­bach kom­men. Ich organ­isiere mor­gen einen Raum, wo wir das Inter­view drehen kön­nen. Wenn es für Sie ok ist, kön­nen wir uns direkt am Emp­fang tre­f­fen.
Fürs Inter­view brauchen wir ca. 20 min. Wenn Sie also lieber später kom­men wür­den … kein Prob­lem. Geben Sie mir ein­fach Bescheid.
The­ma­tisch wird es um Polit­i­cal Cor­rect­ness und Humor gehen – das ist ja Ihr Spezial­ge­bi­et im Moment.
Gibt es Gren­zen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wo liegen sie?
Welche Pointe wäre für Sie ein NoGo?
Vielle­icht kön­nten wir das auch am Beispiel der Ereignisse der Köl­ner Sil­vester­nacht besprechen …
Wenn Satire alles darf, muss sie auch alles tun?
Ihre State­ments wer­den Teil eines Mag­a­z­in­beitrags zum The­ma PC und Humor sein.
Reicht Ihnen das als Vor­in­for­ma­tion?
Viele Grüsse
Eduard Erne
Redak­tor
Kul­tur Aktuell
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

Aufgeze­ich­net wurde in der Tat ein län­geres Gespräch, in dessen Ver­lauf ich meine Gedanken zur Polit­i­cal Cor­rect­ness in etwa wie fol­gt dar­legte:

  1. Polit­i­cal Cor­rect­ness ist kein Wertemassstab. Denn sie wird dauernd den poli­tis­chen Ver­hält­nis­sen angepasst. So war es im Drit­ten Reich poli­tisch kor­rekt, Juden aufs übel­ste zu beschimpfen. Kri­tik an Hitler oder dem Nation­al­sozial­is­mus jedoch war poli­tisch so inko­r­rekt, dass man dafür mit dem Tod bestraft wer­den kon­nte.
  2. Deshalb ist die Polit­i­cal Cor­rect­ness kein Ref­eren­zw­ert. Ver­lässlich­er sind da alte Werte wie Anstand, Ehrlichkeit, Offen­heit, Näch­sten­liebe, usw.
  3. Wie sich die Polit­i­cal Cor­rect­ness verän­dert, erlebt man, wenn man auf der Bühne heute Mohammed oder den Koran erwäh­nt. Vor zehn Jahren assozi­ierte das Pub­likum mit diesen Begrif­f­en roman­tis­che Bilder wie Sand­dü­nen, Oasen, Karawa­nen, Beduinen­zelte, Dat­tel­haine, 1001 Nacht, fliegende Tep­piche, usw. Heute assozi­iert das Pub­likum sofort Bomben, Ter­ror, Enthaup­tun­gen, Krieg und Folter.
  4. Wie ver­heerend sich das Gebot der Polit­i­cal Cor­rect­ness auf die Rede­frei­heit auswirkt, zeigt die Tat­sache, dass man heute mit Mord­dro­hun­gen rech­nen muss, wenn man die Mor­daufrufe im Koran kri­tisiert, und dass prak­tisch alle Jour­nal­is­ten dann auch noch denken: «Das geschieht ihm recht, denn ver­mut­lich hat er sowieso alles nur aus dem Zusam­men­hang geris­sen». Im Gegen­zug hakt kein einziger Jour­nal­ist nach, wenn hiesige Imame auf allen Kanälen dauernd Sure 5,32 zitieren um die ange­blich friedliche Aus­rich­tung des Korans zu bele­gen: «Wer einen Men­schen tötet, soll sein wie ein­er, der die ganze Men­schheit getötet hat.» Im Gegen­teil, die Jour­nal­is­ten sehen bestätigt, was sie schon immer gewusst zu haben glauben, näm­lich dass jegliche Kri­tik am Koran ras­sis­tisch motiviert sei. Dabei kommt kein­er auf die Idee, mal sel­ber einen Koran in die Fin­ger zu nehmen und auch nur einen Satz weit­erzule­sen, in welchem Mohammed sagt, dass die Israeliten aber nicht auf Allah gehört hät­ten und sie deshalb «getötet oder gekreuzigt oder an den Hän­den und Füssen wech­sel­seit­ig ver­stüm­melt oder aus dem Lande ver­trieben wer­den» sollen.
  5. Der Kon­flik­t­stoff, der Anschlä­gen wie auf das World Trade Cen­ter, die Redak­tion des Char­lie Heb­do oder den Flughafen in Brüs­sel zugrunde liegt, ste­ht im Koran. In der klas­sis­chen Dra­me­nanalyse der The­ater­wis­senschaft definiert man einen Kon­flikt wie fol­gt: Die Pro­tag­o­nis­ten ver­fol­gen Ziele, welche sich gegen­seit­ig auss­chliessen. Solche Kon­flik­te sind unab­d­ing­bar für die Entwick­lung ein­er drama­tis­chen Hand­lung. Denn wenn zwei Rit­ter die selbe Prinzessin begehren oder zwei Prinzessin­nen den sel­ben Thron besteigen wollen, dann kann man das Blut schon im Vorn­here­in riechen. Und ein solch­er Kon­flikt beste­ht zwis­chen dem Koran und unser­er Ver­fas­sung: Sie schliessen sich gegen­seit­ig aus. Die Frau kann nicht gle­ich­berechtigt und gle­ichzeit­ig dem Mann unter­wor­fen sein. Das Töten kann nicht ver­boten und gle­ichzeit­ig religiöse Pflicht sein. Das Gesetz kann nicht die Reli­gions­frei­heit garantieren und gle­ichzeit­ig Apos­tasie und Kon­ver­sion mit dem Tod bestrafen. usw.
  6. Kon­flik­te wer­den durch totschweigen nicht gelöst. Auch wenn der Umgang mit gewis­sen The­men nicht ein­fach ist, müssen diese disku­tiert wer­den. Und dabei darf die Mei­n­ungs­frei­heit nicht eingeschränkt wer­den. Rede­ver­bote ver­härten bloss die Fron­ten. Warum fordert die Staat­san­waltschaft die Schweiz­er Mus­lime nicht dazu auf, sämtliche Stellen im Koran, welche zu Mord aufrufen oder Hass gegen Ander­s­gläu­bige schüren, zu erset­zen durch Aufrufe zu Näch­sten­liebe und Verzei­hung?

Und dann gab es noch ein paar weit­ere Punk­te wie Lib­er­al­is­mus, das Bash­ing der Banker, Tierver­suche, usw., wobei ich das Gespräch aus dem Gedächt­nis her­aus nicht mehr bis ins let­zte Detail rekon­stru­ieren kann, und das SRF weigerte sich im Nach­hinein ja hart­näck­ig, die Aufze­ich­nun­gen her­auszurück­en.

Meine oben skizzierten Aus­führun­gen zur Polit­i­cal Cor­rect­ness schienen den Her­rn Erne vom SRF nicht son­der­lich zu inter­essieren, denn im Ver­laufe des Gesprächs warf er mir plöt­zlich vor, ich würde auf der Bühne „Negerwitze“ erzählen. Das stimmt natür­lich nicht. Ich erk­lärte ihm, dass das Wort «Neger» bei mir auf der Bühne vorkommt in einem Beispiel, in welchem ich die absur­den Geset­ze der Polit­i­cal Cor­rect­ness illus­triere. Und ich set­zte ihm auseinan­der, dass auch hier nicht die Polit­i­cal Cor­rect­ness auss­chlaggebend sei son­dern die Gesin­nung. Ein Ras­sist ist ein Ras­sist, weil er Anhänger ein­er Rassenide­olo­gie ist. Aber das Wort «Neger» war lange Zeit poli­tisch kor­rekt und kommt heute noch vor in Begrif­f­en wie «Negro Spir­i­tu­al». Das Wort «Neger» wurde immer wieder aus­gewech­selt, ohne dass dies irgen­det­was daran geän­dert hätte, dass Ras­sis­ten Ras­sis­ten sind, und dass wer kein Ras­sist ist, kein Ras­sist ist. Ein­mal war «Afroamerikan­er» poli­tisch kor­rekt, dann «Schwarze», dann «Far­bige» oder son­st was. Aber während der ganzen Zeit waren die Ras­sis­ten Ras­sis­ten und diejeni­gen, die keine waren, waren keine, unab­hängig davon, welch­es Wort man ger­ade ver­wen­dete.

Da er aber über «Negerwitze» reden wollte, sagte ich Eduard Erne, dass ich mich an einen Negerwitz aus mein­er Kind­heit erin­nere, der heute nicht mehr poli­tisch kor­rekt wäre, obwohl er in kein­er Weise Ras­sis­tisch ist: «Frage: Warum haben Neger weisse Hand­flächen? Antwort: Damit sie sich beim Schoko­ladeessen nicht in die Fin­ger beis­sen.» Und dann ging das Gespräch wieder irgend­wie weit­er.

So. Und was machte das SRF aus diesem lan­gen und aus­führlichen Inter­view?

Im Nach­hinein kam mir der selt­same Vor­wurf mit den «Negerwitzen» etwas verdächtig vor, und ich schrieb fol­gende E-Mail:

19.01.2016
Hal­lo Eduard Erne,
haben Sie das Gespräch schon fer­tig geschnit­ten?
Wenn ja, dann würde ich gerne vor der Ausstrahlung kurz rein­schauen.
In den The­atern hagelt es näm­lich ger­ade wieder Hass-E-mails und Dro­hun­gen (immer noch Fol­gen der Ras­sis­mus-Unter­stel­lun­gen Ihres SRF-Kol­le­gen Schaw­in­s­ki).
Deshalb inter­essiert es mich, ob Sie das ganze Gespräch so senden, wie es war, oder nur Auss­chnitte davon und wenn dann welche.
Ins­beson­dere Ihr Vor­wurf, ich mache Negerwitze, müssten Sie wenn schon bele­gen, indem sie den ange­sproch­enen Auss­chnitt zeigen (und zwar die ganze Kaskade von Johann Schnei­der-Ammann bis zum Schluss), son­st denken die Zuschauer tat­säch­lich, ich mache Negerwitze. Und eigentlich reichen mir die Ras­sis­musvor­würfe, die Ihr Sender bish­er erfol­gre­ich ver­bre­it­et hat, vol­lauf.
Wie sieht’s aus?
Liebe Grüsse
Andreas Thiel

Erne antwortete:

Lieber Herr Thiel,
vie­len Dank für die Mail.
Nein, ich habe das Gespräch noch nicht geschnit­ten, bin ger­ade dabei.
Wie ich Ihnen bere­its erk­lärt habe, ist Ihr Inter­view Teil eines Beitrags über Satire und Polit­i­cal Cor­rect­ness. Beitrag – das bedeutet: es gibt noch eine zweite kom­men­tierende Ebene mit meinem Kom­men­tar zum The­ma, sowie mit Beni Frenkel als zweit­em Inter­view­part­ner. Wenn ich – wie Sie wün­schen —  die „gesamte Kaskade“ mit dem „Neger“-Witz zeigen muss, dann wäre dieser Auss­chnitt zeitlich länger als der gesamte Beitrag (die Num­mer dauert ca. 6 – 7 min., wenn ich mich recht erin­nere) – und das ist schlicht unmöglich.
Ich kann Ihnen, wenn Sie darauf beste­hen, mor­gen Mit­tag die Teile Ihres Inter­views mailen, die ich im Beitrag ver­wen­den werde. Als Tran­skript.
Viele Grüsse
Eduard Erne
Redak­tor
Kul­tur Aktuell
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

Ich:

20.01.2016
Lieber Eduard Erne,
das ist bestens. Mailen Sie mir bitte die ver­wen­de­ten Teile.
Falls sie die Negerwitzau­seinan­der­set­zung zur Sprache brin­gen, beste­he ich allerd­ings tat­säch­lich auf die gesamte Kaskade (ohne Enthaup­tungs­di­a­log — bloss der Dia­log mit Doris Leuthard von „Polemik“ über „Schnei­der-Amman“ und „Blut Christi“ bis zum Blind­en mit dem Zebra) und ihren Vor­wurf, worauf ich ja dann antworte.
(Sor­ry für die Umstände, aber da wir noch nie miteinan­der zu tun hat­ten, weiss ich halt nicht, ob Sie zu Jenen gehören, die durch die Kun­st des Schnittes und Aus­demzusam­men­hangreis­sens Inter­view­part­ner gerne in ein schlecht­es Licht stellen.)
Ich warte mal auf Ihre Auss­chnitte.
Danke für die Mühe und liebe Grüsse
Andreas Thiel

Erne entsch­ied sich, aus meinen ganzen Aus­führun­gen fol­gende Sätze für seine Sendung über Polit­i­cal Cor­rect­ness zu ver­wen­den:

Guten Mor­gen Herr Thiel,
die gesamte Num­mer zu zeigen, wie Sie es vorgeschla­gen haben, braucht ein­fach viel zu viel Zeit.
Da es Ihnen aber um die Einord­nung geht, würde ich fol­gen­den Kom­pro­miss geht. 
In einem O-Ton erk­lären Sie aber die Prob­lematik sehr gut, und diesen fol­gen­den O-Ton würde ich gerne ver­wen­den:
Andreas Thiel:
Warum haben Neger weisse Hand­flächen? Damit sie sich beim Scho­ki-Essen nicht in die Fin­ger beis­sen.
 Das find ich einen wun­der­bar herzi­gen Witz, die Frage ist, ist der ras­sis­tisch? Oder nicht? Poli­tisch kor­rekt ist er sich­er nicht. Und hier kommt ja die Moti­va­tion von dem, der ihn erzählt. Wenn das ein­er erzählt, in einem Hass und in ein­er Überzeu­gung, dass Neger min­der­w­er­tige Men­schen sind, dann wird der Witz ras­sis­tisch, weil der Grundtenor von dem Men­schen ras­sis­tisch ist. Aber wenn ich, der über­haupt ein Men­schen­fre­und ist, und über­haupt nicht die Idee habe, dass die eine Rasse bess­er sein könne als die andere, wenn ich diesen Witz erzäh­le, dann ist ein herziger Witz.
Wäre das ok?
Bitte geben Sie mir bald Bescheid.
Viele Grüsse
Eduard Erne
Redak­tor
Kul­tur Aktuell
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

und:

Hal­lo Herr Thiel,
der Voll­ständigkeit hal­ber nun noch den let­zten O-Ton, den ich ver­wen­den werde …
So lange ein Satirik­er nicht tötet und nicht stiehlt, darf er alles, so lange er Pub­likum hat. Ich finde, von mir aus gese­hen, hat der Satirik­er die Auf­gabe, polit­i­cal Cor­rect­ness zu brechen.“

Ich fand zwar, dass ich mir für diese wenig aus­sagekräfti­gen Sätze nicht die Mühe hätte machen müssen, ins Leutschen­bach zu gehen und dem Her­rn Erne ein Inter­view über meine Erfahrun­gen mit der Polit­i­cal Cor­rect­ness zu geben, nahm aber an, dass er in sein­er Sendung wohl ein­fach nur ver­schiedene Witze analysieren wolle oder so ähn­lich, und antwortete:

Danke, das ist bestens 🙂
Mein Bedenken galt bloss der Möglichkeit, das SRF kön­nte jet­zt auch noch ver­bre­it­en, ich würde „Negerwitze“ reis­sen…
Her­zlichen Dank für die Mühe und liebe Grüsse
Andreas Thiel

Und dann kommt die Sendung auf SRF am 20.01.2016 um 22:25 Uhr.

Nach rund 20 Minuten mehr oder weniger ober­fläch­lichen Geplänkels über Polit­i­cal Cor­rect­ness wird es lustig. Im Beitrag «Taran­ti­no – poli­tisch inko­r­rekt kor­rekt» wird eine beina­he religiöse Eloge an die bluti­gen Gewal­torgien des amerikanis­chen Film­regis­seurs Quentin Taran­ti­no gehal­ten. Es wird als kul­turelle Bere­icherung emp­fun­den, dass in Taran­ti­nos Fil­men so oft das Wort «Nig­ger» vorkommt, denn Taran­ti­no insze­niere Gewalt aus ein­er Art ethis­chem Auf­trag her­aus: «Hin­ter der ästhetis­chen Gewalt ver­birgt sich die Auseinan­der­set­zung, wie sich Gerechtigkeit wieder­her­stellen lässt. Sie ist Taran­ti­nos Mit­tel, Diskri­m­inierung zu bestrafen.» Es fol­gt eine Ver­her­rlichung der Rache. Der Film «Kill Bill» (in welchem eine mis­shan­delte Frau mit einem Samu­rais­chw­ert einen beispiel­los bru­tal­en Rachefeldzug antritt) wird als «ein­er der fem­i­nis­tis­chsten Filme von Taran­ti­no» gelobt. «Es ist ihm beson­ders wichtig, dass es eine Frauen­fig­ur ist, der Schreck­lich­es ange­tan wurde, und die sich sozusagen nicht nur ein­fach rächt, son­dern sich wirk­lich auch im Namen aller möglich­er weib­lich­er Opfer rächt, also sozusagen zeigt, Vergel­tung ist möglich und Vergel­tung ist auch gerecht­fer­tigt.»

Liebes SRF, Taran­ti­no ist ein meis­ter­hafter Regis­seur und viele sein­er Filme sind zwar bru­tale aber sehr span­nende, unter­halt­same und humor­volle Action­streifen. Aber was ihr da euren Zwangsabon­nen­ten in die gute Stube jubelt, das ist – um es poli­tisch kor­rekt zu sagen – faschis­toi­der Nazi-Quatsch.

Denn jet­zt wird es richtig orig­inell. Unmit­tel­bar auf die sal­bungsvolle Huldigung an das Genre des Splat­ter Movies fol­gt der Beitrag «Darf sich Satire alles erlauben?», mit welchem Eduard Erne ein gold­enes Hak­en­ver­di­en­stkreuz an der Nürn­berg­er Parteitagspro­pa­gandafilm­nacht geholt hätte.

Eva Wan­nen­mach­er kündigt an:
Der Satirik­er Andreas Thiel und der Kolum­nist Beni Frenkel sind bei­de nicht eben zart besaitet. Der Eine beschreibt seinen jüdis­chen All­t­ag mit zuweilen ziem­lich unkoscherem Humor. Der Andere find­et – Thiel näm­lich – dass Polit­i­cal Cor­rect­ness gle­ichbe­deu­tend sei mit Humor­losigkeit. Darf also alles gesagt wer­den?

Dann kom­men Auf­nah­men von ein­er Art Betrieb­s­fest aus den 1970er-Jahren mit aus­ge­lasse­nen Men­schen an Fest­tis­chen, die sich die Schenkel klopfen und kreis­chen vor Lachen.

Aus dem Off Eduard Ernes pro­fes­sionelle Sprech­er­stimme (er ist deutsch­er Ein­wan­der­er):
So, nach so viel Ernst, Gewalt und poli­tisch Kor­rek­tem, wollen wir endlich loslachen, uns tot­lachen, lachen, bis wir nicht mehr kön­nen!

Dann kommt so eine Art reingeschnit­ten­er Film­riss. Auf dem blanken Bild­schirm blinkt der Warn­hin­weis:

ACHTUNG! – 4 – 3 – ES FOLGT EIN WITZ!

Dann wieder so eine Art Film­riss. Und dann komme ich, wie ich dem Erne den Witz aus mein­er Kind­heit erzäh­le. Wobei wed­er mein vor­ange­gan­gener Satz, dass dies ein Witz aus mein­er Kind­heit sei, noch die Gesprächssi­t­u­a­tion, geschweige denn das Gespräch über­haupt erwäh­nt wird. Eduard Erne sieht man gar nicht. Ich erzäh­le da ein­fach einen Witz von den hellen Hand­flächen, die ver­hin­dern dass sich Neger beim Schoko­ladeessen in die Fin­ger beis­sen. Und dann gle­ich wieder Schnitt. Der Warn­hin­weis vor schwarzem Hin­ter­grund blinkt wieder auf, aber dies­mal ste­ht:

IST DAS LUSTIG?

Und dann wieder Ernes Stimme, nun hämisch, aus dem Off:
Ist das lustig? Ich finde nicht. «Neger» ist ein Schimpf­wort. Doch der Satirik­er Andreas Thiel über­schre­it­et gerne seine Gren­zen, beze­ich­net den Propheten Mohammed als Massen­mörder und Men­schen mit schwarz­er Haut­farbe eben als Neger.

Und dann darf wieder ich reden. Jet­zt sieht man mich näm­lich noch sagen:
Das find ich einen wun­der­bar herzi­gen Witz. Die Frage ist, ist der ras­sis­tisch oder nicht? Poli­tisch kor­rekt ist er sich­er nicht. Und hier kommt halt die Moti­va­tion von dem, der ihn erzählt. Wenn das ein­er erzählt, in einem Hass und in ein­er Überzeu­gung, dass Neger min­der­w­er­tige Men­schen seien, dann wird der Witz ras­sis­tisch, weil der Grundtenor von dem Men­schen ras­sis­tisch ist. Aber wenn ich, der über­haupt ein Men­schen­fre­und bin, und über­haupt nicht die Idee habe, dass die eine Rasse bess­er sein könne als die andere, wenn ich diesen Witz erzäh­le, dann ist es ein herziger Witz.

Schnitt! Man sieht Bilder von Sklaven! Es fol­gt eine ganze Col­lage von Darstel­lun­gen mit schwarzen Sklaven, unter­legt mit Ernes hämis­ch­er Stimme:
Herzig! Naja. Erfind­en wurde das Wort zur Zeit der Sklaverei. Ein Wort, das Men­schen zum Objekt degradiert. Es zu ver­wen­den ist für mich deshalb dumm und geschmack­los. Aber poli­tisch unko­r­rekt zu sein, bringt Lach­er!

Lieber Eduard Erne, Dir ist ein Fehler unter­laufen. Das Wort, welch­es Du so gerne anprangern möcht­est, wäre «Nig­ger» gewe­sen. «Nig­ger» war das Schimpf­wort, welch­es man für Sklaven ver­wen­dete. Das Wort «Nig­ger» – das habe ich übri­gens vorhin in eur­er Sendung gel­ernt – kommt zwar in meinen Büh­nen­shows nicht vor, aber in Quentin Taran­ti­nos Fil­men dafür umso öfter, was jedoch kein Prob­lem ist, denn Taran­ti­no hat ja so eine Art ethis­chen Auf­trag, das Wort «Nig­ger» in seine bluti­gen Gewalt­szenen reinzu­pack­en. Das Wort «Neger» – englisch «Negro» – hinge­gen ist das poli­tisch kor­rek­te Wort. Es entstammt dem spanis­chen bzw. por­tugiesis­chen «negro» und bedeutet schlicht «schwarz», so wie wir heute «Neger» immer noch poli­tisch kor­rekt als «Schwarze» beze­ich­nen.

Aber der Beitrag ist noch nicht ganz zu ende, denn Erne kündigt jet­zt an, sich immer noch hin­ter Bildern von Sklaven ver­steck­end:
Also lachen wir nochmal!

Und dann kom­men schon wieder diese schenkelk­lopfend­en Betrieb­s­feiern­den aus den 1970ern und dann ein kurz­er Auss­chnitt von son­st irgen­dein­er Fernse­haufze­ich­nung, in welch­er ich sage:
Polit­i­cal Cor­rect­ness ist bloss ein Syn­onym für Humor­losigkeit. Sie ist die Schwest­er der Intol­er­anz. Und die ist die Tante des Ras­sis­mus.

Schnitt! Nochmals ich im Gespräch mit Erne, von welchem man immer noch nichts sieht und auch nichts vom ganzen Rest des Gesprächs:
Solange ein Satirik­er nicht tötet und nicht stiehlt, darf er alles, so lange er Pub­likum hat. Ich finde, von mir aus gese­hen, hat der Satirik­er die Auf­gabe, die Polit­i­cal Cor­rect­ness zu brechen.

Schnitt! Schenkelk­lopfgelächter aus den 70ern. Und Erne hämisch aus dem Off:
Oooooh, ein Kreuzrit­ter des Humors!

Man sieht jet­zt eine Szene aus irgen­dein­er Stumm­film-Slap­stick-Komödie. Erne:
Über andere sich lustig zu machen, ist ein­fach. dabei gäbe es so viel, worüber man lachen kön­nte. Warum also immer über andere? Warum nicht über sich selb­st?

Am Ende des Beitrags über meine Hal­tung zur Polit­i­cal Cor­rect­ness hat er also doch noch einen vernün­fti­gen Satz gefun­den. Warum andere ver­höh­nen? Warum nicht sich selb­st? Ja, lieber Eduard, hättest Du mal mein Buch über den Humor gele­sen, wüsstest du auch, wie das geht.

OK, er hat ganz offen­sichtlich wed­er mein Buch gele­sen noch war er je in ein­er mein­er Büh­nen­shows. Das muss man zu sein­er Vertei­di­gung annehmen. Inter­es­san­ter­weise ist Ernes Nazi-Pro­pa­gan­daquatsch in der heuti­gen Zeit poli­tisch kor­rekt. Aber er ist unmoralisch. Ernes Beitrag bietet ein hüb­sches Schul­beispiel, um den Unter­schied zwis­chen Humor und Häme aufzuzeigen. Humor bed­ingt Liebe zur Welt, auch wenn sie nicht so ist, wie wir sie gerne hät­ten. Häme entspringt einem Hass auf die Welt, so wie sie ist.

Es fol­gten zwei lange, laute Tele­fonate mit dem Pro­duzen­ten der Sendung Sil­van Lerch und dem Redak­tion­sleit­er Mar­tin Eggen­schwyler, in welchen ich ihnen erk­lärte, dass dies nach Schaw­in­s­ki nun schon das zweite Mal sei, dass das SRF mir Ras­sis­mus unter­stelle, und dass ich erwarte, dass dies wieder richtiggestellt werde. Auch erk­lärte ich ihnen, dass immer noch Mord­dro­hun­gen gegen mich offen seien auf­grund der let­zten Verunglimp­fung seit­ens des SRF, und dass ich langsam das Gefühl habe, das SRF fahre so eine Art Kauft-nicht-bei-Juden-Kam­pagne gegen Lib­erale wie mich, und dass wegen Bor­der­lin­ern, die zu feige sind, sich selb­st zu ritzen, wie diesem Erne, meine Fam­i­lie von der Polizei beschützt wer­den muss.

Nach langem hin und her einigten wir uns darauf, dass diese Sendung auf dem SRF-Onlinepor­tal ergänzt wird durch mehrere Pas­sagen aus dem geführten Inter­view. Und dass dort auch eine schriftliche Stel­lung­nahme von mir pub­liziert werde, allerd­ings – ACHTUNG! ES FOLGT EIN WITZ! – nur auf Fra­gen, welche sie mir noch stellen wer­den. Naja, mit Fra­gen habe ich ja bekan­ntlich keine Prob­leme. Hinge­gen weiss ich aus eigen­er Erfahrung, dass man beim SRF Prob­leme hat mit Antworten.

23.01.2016
Guten Tag Herr Thiel
Ich habe unter­dessen die Inter­view-Pas­sagen aus dem Tran­skript gewählt, die ich ver­wen­den werde. Es sind einige. Ich werde sie Ihnen im Laufe des Mon­tags schick­en, sobald ich sie auf dem Schnittplatz auch gehört habe.
Hier noch die Fra­gen zum Artikel, den wir zur Ergänzung der Inter­view-Clips mit Ihnen und Beni Frenkel pub­lizieren wer­den:
- “Es ist ein Segen, dass sich alle (online) öffentlich äussern kön­nen, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenom­men wird.” (Sascha Lobo) Was sagen Sie dazu? Sprich: Was heisst es für die Gesellschaft, wenn alle Dämme brechen?
- Was für Reak­tio­nen haben Sie in den let­zten Tagen erhal­ten?
- Was wird Ihnen dabei vorge­wor­fen? Und: Gibt es etwas, das Sie sich sel­ber vor­w­er­fen? (Generell oder im Einzelfall)
- Wie gehen Sie mit Bedro­hun­gen um?
- Markus Somm sagte in unser­er Sendung, man müsse Belei­di­gun­gen aushal­ten, selb­st wenn sie töricht seien. Das sei der Preis von Rede-/Mei­n­ungs­frei­heit. Was meinen Sie?
- Muss, wer provoziert / Tabus bricht, damit rech­nen, dass ihm das­selbe wider­fährt?
Die Antworten soll­ten eher knapp gehal­ten sein, damit der Text “Inter­net-kon­form” ist. Sie wis­sen ja, (lei­der) wer­den im Netz lange Texte eher gemieden. Ist eine Rück­mel­dung bis Mon­tag­mit­tag real­is­tisch? Ich schicke Ihnen dann die Zitate zu, die ich berück­sichti­gen werde.
Ich freue mich, dass wir das The­ma über die Woche hin­aus weit­ertreiben kön­nen. Das ist span­nend!
Beste Grüsse
Sil­van Lerch
Pro­duzent
Kul­tur­platz
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

25.01.2016
Lieber Sil­van Lerch,
ich schlage vor, den ganzen ersten Teil des Gesprächs zu zeigen, den Teil in welchem ich meine Mei­n­ung zur Polit­i­cal Cor­rect­ness dar­lege, der dann von Ihnen aber kom­plett über­gan­gen wurde. Ich erk­läre darin, dass Polit­i­cal Cor­rect­ness abhängig ist von der jew­eili­gen Poli­tik (z.B. 3. Reich, DDR, Kom­mu­nis­mus usw.), und dass deshalb die Polit­i­cal Cor­rect­ness keine moralis­che Grösse ist. Vielmehr sind Werte wie Anstand, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit Gradmess­er (Iro­nis­cher­weise hat Ihre Redak­tion mit diesem verkrampft poli­tisch kor­rek­ten Beitrag genau solche Werte gebrochen). Ich mache ja dann auch mehrere Beispiele, wie sich die Polit­i­cal Cor­rect­ness heute ver­schoben hat.
Der fehlende Anstand in Ihrem Beitrag würde jet­zt gebi­eten, mir als Kom­pen­sa­tion endlich die Auf­nah­men des gesamten Gesprächs zukom­men zu lassen, worauf ich im Übri­gen immer noch beste­he. Ich habe ja wohl ein Copy Right auf meinen eige­nen Aus­sagen und meinem eige­nen Gesicht. Oder war das mit der Trans­parenz etwa bloss eine weit­ere Floskel von Ihnen?
Und hier meine Antworten zu Ihren Fra­gen. Jegliche Kürzung oder Änderung ist Ihnen unter­sagt, ins­beson­dere auch die Pub­lika­tion ohne die von Ihnen gestell­ten Fra­gen, wie sie hier ste­hen. Aber Nach­hak­en dür­fen Sie natür­lich gerne:

Es ist ein Segen, dass sich alle (online) öffentlich äussern kön­nen, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenom­men wird.” (Sascha Lobo) Was sagen Sie dazu? Sprich: Was heisst es für die Gesellschaft, wenn alle Dämme brechen?
Ver­schiedene Men­schen haben unter­schiedliche Mei­n­un­gen. Die Mit­tel, um diese Mei­n­un­gen zu äussern, verän­dern sich. Am Umstand aber, dass die Mei­n­un­gen ver­schieden sind, ändert sich nichts. Und dass es unanständi­ge Men­schen gibt, die sich eben­falls äussern, das war auch schon immer so.

Was für Reak­tio­nen haben Sie in den let­zten Tagen erhal­ten?
Meine Tage gle­ichen sich sehr. Ich werde auf der Strasse von ganz nor­malen Leuten als „Ras­sist“ beschimpft. Das ist eine direk­te Folge der verzweifel­ten Has­sti­raden, welche Schaw­in­s­ki mit dem Segen des Pro­gramm­chefs Mat­ter auf Ihrem Sender über mich ver­bre­it­et hat­te. Der Ombuds­mann beurteilte diese absur­den Unter­stel­lun­gen zwar als „grobe jour­nal­is­tis­che Fehlleis­tung“, und trotz­dem kam keine Entschuldigung vom SRF, im Gegen­teil, ein Jahr später ver­sucht nun Eduard Erne vom Kul­tur­platz erneut, mich als Ras­sis­ten zu verunglimpfen. Er spielt sog­ar noch falsch­er als Schaw­in­s­ki, indem er sich selb­st und seine Vor­würfe im Nach­hinein aus dem Gespräch rauss­chnei­det. Zum Glück kamen auf diesen Unfug bish­er noch keine grossen Reak­tio­nen. Ihre Sendung scheint eine niedrige Ein­schaltquote zu haben, was mich angesichts der man­gel­nden Tiefe nicht wun­dert. Ich erhielt lediglich die Kopie ein­er Beschw­erde an Sie, welche Ihnen in Bezug auf mich unsauberen Jour­nal­is­mus vor­wirft und Eduard Erne darauf aufmerk­sam macht, dass er mit sein­er Verbindung des Wortes „Neger“ zu den schwarzen Sklaven daneben­liegt, da er es mit „Nig­ger“ ver­wech­selt. Das Wort „Neger“ hinge­gen entspricht dem poli­tisch kor­rek­ten „Negro“ wie z.B. in „Negro Spir­i­tu­al”.

Was wird Ihnen dabei vorge­wor­fen?
Haha­ha! Diese Frage müssten eigentlich Sie mir beant­worten, da bish­er alle diese abstrusen Anschuldigun­gen von Ihrer Seite – vom SRF – kamen, wobei fehlen­des Niveau und man­gel­ndes Wis­sen offen­bar kom­pen­siert wer­den durch Ober­fläch­lichkeit und Unlauterkeit.

Gibt es etwas, das Sie sich sel­ber vor­w­er­fen?
Ich kön­nte mir nun natür­lich im Nach­hinein vor­w­er­fen, mir über­haupt Zeit für ein Gespräch mit Ihnen genom­men zu haben, obwohl Sie offen­sichtlich gar nicht an dem inter­essiert waren, was ich gesagt habe. Dann müsste ich allerd­ings in Zukun­ft jeden Jour­nal­is­ten verdächti­gen, Bös­es im Schilde zu führen, aber auf diese freud­lose Grund­hal­tung habe ich keine Lust.

Wie gehen Sie mit Bedro­hun­gen um?
Ich werde für die No-Bil­lag-Ini­tia­tive stim­men.

Markus Somm sagte in unser­er Sendung, man müsse Belei­di­gun­gen aushal­ten, selb­st wenn sie töricht seien. Das sei der Preis von Rede-/Mei­n­ungs­frei­heit. Was meinen Sie?
Dummheit ist nun ein­mal nicht straf­bar.

Muss, wer provoziert / Tabus bricht, damit rech­nen, dass ihm das­selbe wider­fährt?
Wom­it muss man rech­nen? Mit falschen Anschuldigun­gen und Unter­stel­lun­gen von Seit­en des SRF? Muss man damit rech­nen? Offen­sichtlich schon.

26.01.2016
Sehr geehrter Herr Thiel,
mit Bedauern teile ich Ihnen mit, dass wir auf die Fort­set­zung des Beitrages „Satirik­er und polit­i­cal cor­rect­ness“ (Kul­tur­platz, 20. Jan­u­ar 2016) im Inter­net verzicht­en wer­den. Gerne erk­läre ich Ihnen, warum.
Wir hat­ten Ihnen und auch Her­rn Frenkel im Nach­gang zu unserem Fernseh-Beitrag schriftlich einige Fra­gen gestellt. Dies geschah in der erk­lärten Absicht, einen redak­tionellen Text zu schreiben, in dem Zitate von Ihnen und von Her­rn Frenkel erscheinen wür­den. Das hat Ihnen Sil­van Lerch, der zuständi­ge Pro­duzent, im Mail vom 22. Jan­u­ar zusam­men mit den Fra­gen dargelegt. Er gab Ihnen auch die Zusicherung, Ihnen Ihre Zitate vor der Pub­lika­tion zum Gegen­le­sen vorzule­gen, so wie bere­its beim Fernse­hbeitrag geschehen. 
In Ihrem Mail vom 25. Jan­u­ar stellen Sie nun aber die Bedin­gung, das schriftlich geführte Inter­view sei inte­gral zu pub­lizieren. Wörtlich schreiben Sie: Jegliche Kürzung oder Änderung ist Ihnen unter­sagt. Das entspricht nicht unser­er Abmachung. Wir haben daher beschlossen, auf eine Fort­set­zung der Geschichte zu verzicht­en.
Ich danke Ihnen und wün­sche weit­er­hin Erfolg für Ihr Büh­nen­pro­gramm.
Mar­tin Eggen­schwyler
Redak­tion­sleit­er
Kul­tur­platz
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

27.01.2016
Haha­ha­ha!
Mein guter Mar­tin Eggen­schwiler,
wenn man Ihnen ver­bi­etet, etwas aus dem Zusam­men­hang zu reis­sen, dann sind Sie also mit Ihrem jour­nal­is­tis­chen Latein am Ende?
Sehr lustig.
Denn Ihre Art, einen „redak­tionellen Text zu schreiben, in dem Zitate von” mir „erscheinen wür­den“, habe ich ja bere­its zu spüren bekom­men.
D.h., Sie möcht­en es also bei der Ent­gleisung bewen­den lassen?
Sie sind nicht bere­it, dem Opfer Ihrer Verunglimp­fung die Gele­gen­heit zu geben, dazu Stel­lung zu nehmen?
Dann nehmen Sie sich wenig­stens zwei Minuten Zeit, um über Begriffe wie „Fair­ness“, „Anstand“, „Aufrichtigkeit“, „Trans­parenz“ oder „Courage“ zu medi­tieren, und schick­en Sie mir bitte eine Kopie des kom­plet­ten aufgenomme­nen Gesprächs an:

Danke und liebe Grüsse
Andreas Thiel

29.01.2016
Sehr geehrter Herr Thiel
Offen­bar haben Sie über­lesen, was ich in meinem mail vom 21. Jan­u­ar 2016 geschrieben habe. Kein Prob­lem, ich wieder­hole es gerne.
Roh­ma­te­r­i­al und Tran­skript von Inter­views geben wir grund­sät­zlich nie her­aus, nicht ein­mal bei Anfra­gen von Polizei oder Bun­de­san­waltschaft.
Mit der Bitte um Ver­ständ­nis und fre­undlichen Grüssen
Mar­tin Eggen­schwyler
Redak­tion­sleit­er
Kul­tur­platz
Schweiz­er Radio und Fernse­hen SRF

Ich hat­te dann auch wieder wichtigeres zu tun, als mit diesen Bor­der­lin­ern rumzu­mailen. Was ler­nen wir daraus? Die Kader­stellen bei unserem Staatssender sind völ­lig fehlbe­set­zt. Mar­tin Eggen­schwyler gehört nicht als Redak­tion­sleit­er ins SRF son­dern als Finanzmin­is­ter in den Bun­desrat.
… geben wir grund­sät­zlich nie her­aus, nicht ein­mal bei Anfra­gen von Polizei oder Bun­de­san­waltschaft.
Hätte Mar­tin Eggen­schwyler statt Eve­lyn Wid­mer-Schlumpf im Finanzmin­is­teri­um gesessen, wäre das Bankge­heim­nis nie gefall­en.

Andreas Thiel, Satirik­er