Gastbeitrag Andreas Thiel: Bundespräsidentin im Gespräch

NoBillag

Leuthard: Die „No Billag“-Initiative ist das Ende der Medienvielfalt.

Gebürenzahler: Das Ende? Nicht der Anfang? Erst wenn das Staatsmonopol fällt, kann sich doch ein freier Markt entwickeln.

Leuthard: Nach der SRG kommt nichts.

Gebürenzahler: Von Ihnen wird nichts kommen, das ist mir schon klar, denn das ist es ja, was die Initiative will: Nichts Staatliches. Aber es wird eine private Medienvielfalt entstehen.

Leuthard: Was nützt eine private Medienvielfalt, wenn Tausende von SRG-Mitarbeitern auf der Strasse stehen?

Gebürenzahler: Sie glauben, dass SRG-Mitarbeiter zu schlecht qualifiziert sind, um sich auf dem freien Markt zu bewähren?

Leuthard: Nein. Aber ohne die SRG gäbe es nicht genügend Beschäftigung für sie.

Gebürenzahler: Dann handelt es sich bei der SRG um ein staatliches Beschäftigungsprogramm?

Leuthard: Natürlich nicht. Aber auf dem freien Markt gäbe es zu wenige gute Stellen für all die hoch qualifizierten SRG-Mitarbeiter.

Gebürenzahler: Sie meinen, SRG-Mitarbeiter sind überqualifiziert und überbezahlt?

Leuthard: Nein, aber ihre Arbeit wäre auf dem freien Markt viel schwieriger.

Gebürenzahler: Heisst das, die SRG-Mitarbeiter sind bei der SRG unterfordert?

Leuthard: Nein, was ich sagen will, ist, dass der freie Markt die Qualität der SRG nicht bieten kann.

Gebürenzahler: Ich dachte, auf dem freien Markt besteht nur, wer Qualität bietet?

Leuthard: Nein, auf dem freien Markt besteht bloss, wer bietet, was das Publikum will.

Gebürenzahler: Und diese Qualität kann die SRG nicht bieten?

Leuthard: Ach, vergessen Sie’s. Mit Gebührenzahlern kann man nicht reden.

 

Andreas Thiel, Satiriker

Thiel: «No Billag» | Die Weltwoche, Ausgabe 50/2017