Luzerner Zeitung Kommentar: No-Billag-Initiative: Legt doch bitte mal eine Sendepause ein

KOMMENTAR ⋅ Dominik Buholzer, Leiter Zentralschweiz am Sonntag, über die No-Billag-Initiative.

Am Leutschenbach liegen die Nerven blank. Und das, bevor es so richtig losgeht. Am 4. März stimmen wir über die No-Billag-Initiative ab. Also in über vier Monaten. Doch bereits jetzt vergeht bald kein Tag, an dem nicht irgend jemand von Schweizer Radio und Fernsehen SRF uns weismachen will, wie wichtig der staatliche Sender ist.

Vor allem die Vertreter der telegenen Sparte werden nicht müde,vor einem Ja ­ zu warnen. Da wird zuweilen ganz schön dick aufgetragen. «10 vor 10»-Moderatorin Susanne Wille erklärte so zum Beispiel, es gehe ihr gar nicht um ihren Job, sondern um etwas Entscheidenderes: um den Journalismus selber. «Denn ich sehe in meiner täglichen Arbeit, wie viel bei SRF in die Recherche investiert wird, wie viel in eine kritische Berichterstattung, die nicht beeinflusst wird durch die Interessen von Unternehmen, Lobbyisten, Politikern», kann auf ihrem Facebook-Profil nachgelesen werden. «­Tagesschau»-Sprecher Roger Brändlin fühlt sich durch die No-Billag-Initiative gar ­«angegriffen und bedroht».

Doch da wird nicht nur eifrig gemahnt und gewarnt. Da versucht man Sachen in ein besseres Licht zu rücken, wo man besser schweigen würde. So etwa, wenn «Schweiz aktuell»-Moderatorin Sabine Dahinden in einem Video auf Facebook ihrem Erstaunen Ausdruck verleiht, was da alles produziert wird beim Schweizer Fernsehen und vor allem, wie hart dafür gearbeitet werde: «Die haben es streng, und auch ich habe schon lange Zeit sehr viel Schweiss, Tränen und vor allem viel Herzblut gegeben.» Und verdienen würden sie an anderen Orten einiges mehr. Sicher. Aber auf jeden Fall verdient man an «anderen Orten» auch einiges weniger, wie unser Artikel auf Seite 3 zeigt.

Es ist richtig, dass man breit über die No-Billag-Initiative diskutiert. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn die Betroffenen selbst, also die Mitarbeiter von Radio und Fernsehen, sich zu Wort melden. Aber das darf nicht dazu führen, dass die SRG-Mitarbeiter nur noch Selbstgefälligkeiten von sich geben. Eine Sendepause in dieser Hinsicht würde hier gut tun. Denn auch in anderen Betrieben gibt es sehr viele Leute, die stolz auf ihren Job sind und hart für ihren Erfolg arbeiten. Das müssen diese aber nicht dauernd so herausstreichen.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

Luzerner Zeitung Kommentar: No-Billag-Initiative: Legt doch bitte mal eine Sendepause ein


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